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08.07.2012, 19:27 Uhr
Bildungsministerium kürzt Lehrerstellen an den Gymnasien
Gymnasien nicht gefährden
Bei Schulleistungsvergleichen schneidet Brandenburg seit 1997 durchweg schlecht ab. Das gilt für alle Schulformen. Statt nun die Ursachen zumindest teilweise bei sich selbst zu suchen und leistungsfördernde Maßnahmen einzuführen, verschlechtert das Bildungsministerium die Bedingungen für die gymnasiale Oberstufe an den Oberstufenzentren, den Gesamtschulen und besonders drastisch an den Gymnasien.
Königs Wusterhausen -

So plant das Land im Windschatten der Schulzeitverkürzung weitere Einschnitte der Lehrerausstattung an der beliebtesten Schulform im Land. Zum neuen Schuljahr soll einerseits per Verwaltungsvorschrift des Bildungsministeriums und andererseits klammheimlich im Zuge der Schulzeitverkürzung die Stellenausstattung an den Gymnasien deutlich reduziert werden. Dies ist eine weitere Verschlechterung der Lernbedingungen für die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien.

 

Der Wegfall der Klasse 13 hat mehrere Konsequenzen. So gibt es eine Vereinbarung zwischen den Bundesländern über die Mindestzahl von Unterrichtsstunden für die Schüler von Klasse 5 bis zum Abitur. Die Studierfähigkeit ist eben nur mit einer ausreichenden Menge Unterricht zu erreichen. Daher darf nicht der gesamte, bisher in der 13. erteilte Unterricht einfach wegfallen. Insgesamt 9 Stunden sind bereits in die Klassen 7 bis 10 verlagert worden. Weitere 8 bis 9 Stunden müssen zusätzlich in die Klassen 11 und 12 gelegt werden.

Für die 9 zusätzlichen Stunden in den Klassen 7 bis 10 werden die dafür nötigen Lehrerwochenstunden zur Verfügung gestellt. Der erforderliche Ausgleich für die Verlagerung von 8 bis 9 Stunden in die 11. und 12. Klasse findet aber nicht statt. Das fällt erst bei genauem Hinsehen auf, weil es in der gymnasialen Oberstufe keine Klassen mehr gibt. Die Konsequenz sind größere Kursstärken, das geht in einigen Fällen bis zu 30 Schülerinnen und Schülern und sogar darüber hinaus.

 

Mit diesem Vorgehen will das Bildungsministerium die Lehrerstellen, die durch den Wegfall der Klasse 13 an den Gymnasien frei werden, ersatzlos streichen bzw. anderweitig verwenden. Dass ein Teil der Unterrichtsstunden der bisherigen Klasse 13 nun in den Klassen 11 und 12 stattfindet, wird dabei völlig ignoriert. Diese Verlagerung von Unterricht ohne entsprechende Stundenzuweisung entspricht einer Kürzung um 13 bis 15% für die Oberstufe der Gymnasien. Größere Kurse und das bei gestiegenen Anforderungen für die Schülerinnen und Schüler sind die unausweichliche Folge.

Statt jedoch mit einem Teil der erheblichen Einsparungen, die auch bei korrekter Zuweisung aus dem Wegfall der Klasse 13 resultieren, einen Ausgleich für den Mehrunterricht in den Klassen 11 und 12 zu schaffen, will das Ministerium auch noch für alle gymnasialen Oberstufen, diesmal auch für die an Gesamtschulen und OSZ, den Zuweisungsschlüssel von 1,8 auf 1,7 Lehrerstunden je Schüler verringern. Das ist eine weitere Kürzung um knapp 6 %. Insgesamt wird so der Ausstattungsstandard für die Oberstufe der Gymnasien durch eine Kürzung um fast 20% deutlich schlechter als bisher.

 

Nach der leichtfertigen Kürzung des Bildungsetats versucht man nunmehr den Mangel an Lehrerstunden an den Grundschulen dadurch zu beheben, dass an anderer Stelle verantwortungslos Lücken gerissen werden. Die Inklusion geht dann also zu Lasten der Unterrichtseffizienz für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Das trägt weder zu höheren Abiturientenzahlen noch zur Verbesserung der Leistungen und somit der Studierfähigkeit bei. Ein Mangel wird nicht behoben, indem man diesen hin und her schiebt. Es entsteht der Eindruck, dass dieses Ministerium die Gymnasien kaputtsparen will und dabei verschiedene Schülergruppen gegeneinander ausspielt.